Wie Du Stress zu Deinem besten Freund machst

25. Juni 2017

Stress kennt jeder. Wir alle haben ihn mal. Das ist auch ganz normal – sogar notwendig, damit wir überhaupt Höchstleistung erzielen können. Stress ist also erstmal nichts Negatives, sondern reine Energie. Es ist erst unsere Reaktion, die darüber entscheidet, ob wir eine Situation positiv oder negativ wahrnehmen.

Du hast es also selbst in der Hand, wie Du mit Stress umgehst und, wie er Dich beeinflusst. Entweder lässt Du Dich stressen oder lernst Stress für Dich zu nutzen und machst ihn zu Deinem Freund. Wie das geht? Das erfährst Du jetzt.

Ich selbst kenne Stress nur zu gut. Meist schaffe ich mir diese Situationen sogar selbst. Und zwar in meinem Kopf.

Beispiel: Eine Prüfung steht bald an, die ich natürlich bestehen möchte – so gut wie möglich. Dadurch entsteht Druck. Dieser wird verstärkt, durch den immer näher rückenden Prüfungstermin. In meinem Kopf entstehen Szenarien, dass ich nicht mehr genug Zeit zum Lernen habe und die Prüfung nicht bestehen werde. Mein Herz beginnt zu rasen und Panik steigt in mir auf. Fällt es mir dadurch leichter zu Lernen? Nein, ganz bestimmt nicht!

Stress is not what happens to us.

It’s our response to what happens.

And response is something we can choose.

 

Maureen Killoran

Das Beispiel verdeutlicht sehr gut, dass nur Du selbst verantwortlich dafür bist, ob Du Dich stressen lässt, oder nicht. Deine Wahrnehmung, Bewertung und Reaktion entscheidet, was Dir Druck im Leben macht. Du hast das Steuer selbst in der Hand.

Wie schaffst Du es nun mit Stress richtig umzugehen und ihn für Dich zu nutzen? Wie wird er zu Deinem besten Freund?
Meine 5 Tipps sollen Dir genau dabei helfen:

 

 1. Bleib achtsam und werde bewusst

Du fühlst dich gestresst? Bevor Du jetzt reagierst, halte kurz inne und frage Dich: Wie fühlst du Dich? Was genau stresst Dich? Wie nimmst Du die Situation gerade wahr? Welche Wichtigkeit hat der Stressfaktor für Dich? Hast Du erst einmal Deine Dich quälenden Gedanken identifiziert, fällt es Dir meist schon viel leichter mit diesen umzugehen und zu entscheiden, wie Du reagieren wirst.

Mir persönlich hilft es auch aufzuschreiben, welche Gedanken und Situationen mich besonders stressen. Dadurch führe ich mir diese noch mal bewusst ins Gedächtnis und kann mir Strategien überlegen, wie ich besser damit umgehen kann.

 

 2. Verändere Deinen Mindset: Betrachte Stress als Energie

Wie bereits erwähnt, ist Stress erst einmal nichts Negatives. Sondern reine Energie. Energie, die Du selbst umwandeln kannst. In etwas Positives oder etwas Negatives. Deine Gedanken und die Perspektive, die Du einnimmst auf die Situation, bestimmen, wie Du dich fühlst. Bereits Deine positive Einstellung, die Du nun entwickelst, sorgt dafür, dass Du anders mit Stress umgehen kannst. Er ist für Dich kein Hindernis mehr, sondern viel mehr eine Chance, die Du für Dich nutzen kannst.

Kleines Beispiel gefällig?
Dein Chef setzt Dir eine Abgabefrist für ein Projekt. Deine gewohnte Reaktion: Panik. Du zweifelst an Dir selbst und fühlst Dich unter Druck gesetzt. Wie wäre es, wenn Du die Situation von einer anderen Perspektive aus betrachtest? Dein Chef hat scheinbar Vertrauen in Dich und ist der Überzeugung, dass Du in der Lage bist, die Aufgabe zu lösen. Nutze diese Situation, um ihn davon zu überzeugen! Und schwups, wird negativer Stress zu positivem Eustress, der Dich motiviert.

 

 3. Finde Dein optimales Stresslevel

Es gibt ein bestimmtes Stresslevel, bei dem Du maximal leistungsfähig und konzentriert bist. Fragt sich nur, wo liegt dieser magische Punkt?

Das ist bei jedem Menschen individuell. Sicher ist nur, weder zu wenig Stress ist gut, noch zu viel davon. Die goldene Mitte ist das Ideal. Du kannst es Dir ein wenig wie bei dem Stimmen einer Gitarre vorstellen. Der Klang ist dann perfekt, wenn die Saite optimal eingespannt ist. Nicht zu viel Druck und nicht zu wenig.
Genauso verhält es sich mit dem Menschen. Du brauchst eine gewisse Menge an Stress und Adrenalin, um ein bestimmtes Maß an Leistung erbringen zu können. Und um Dein optimales Stresslevel zu finden, braucht es, genau wie bei dem Stimmen der Gitarre auch, Erfahrung.

Beobachte einmal selbst, wie viel Druck brauchst Du, um leistungsfähig zu sein, ohne dass Du darunter leidest?

 

4. Sei gut zu Dir selbst: Schaff Dir Deine Auszeit

Wenn Du merkst, Du bist dabei Dein Stresslevel zu überschreiten, nimm Dir bewusst eine Auszeit. Wir sind nicht dauerhaft produktiv und können schon gar nicht immer Höchstleistung erbringen. Dazu benötigen wir unter anderem guten Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Bewegung. Wenn Du Dich dauerhaft unter Druck setzt und zu viel von dir verlangst, erreichst Du am Ende weniger.

Um Dir das zu verdeutlichen, hier eine kleine Anekdote aus dem Buch Komm, ich erzähl dir eine Geschichte von Jorge Bucay:

Es war einmal ein Holzfäller, der bei einer Holzgesellschaft um Arbeit vorsprach. Das Gehalt war in Ordnung, die Arbeitsbedingungen verlockend, also wollte der Holzfäller einen guten Eindruck hinterlassen.

 

Am ersten Tag meldete er sich beim Vorarbeiter, der ihm eine Axt gab und ihm einen bestimmten Bereich im Wald zuwies. Begeistert machte sich der Holzfäller an die Arbeit. An einem einzigen Tag fällte er achtzehn Bäume. “Herzlichen Glückwunsch”, sagte der Vorarbeiter. “Weiter so.”

 

Angestachelt von den Worten des Vorarbeiters, beschloss der Holzfäller, am nächsten Tag das Ergebnis seiner Arbeit noch zu übertreffen. Also legte er sich in dieser Nacht früh ins Bett.

Am nächsten Morgen stand er vor allen anderen auf und ging in den Wald.

Trotz aller Anstrengung gelang es ihm aber nicht, mehr als fünfzehn Bäume zu fällen.

 

„Ich muss müde sein”, dachte er. Und beschloss, an diesem Tag gleich nach Sonnenuntergang schlafen zu gehen.

 

Im Morgengrauen erwachte er mit dem festen Entschluss, heute seine Marke von achtzehn Bäumen zu übertreffen. Er schaffte noch nicht einmal die Hälfte. Am nächsten Tag waren es nur sieben Bäume, und am übernächsten fünf, seinen letzten Tag verbrachte er fast vollständig damit, einen zweiten Baum zu fällen.

 

In Sorge darüber, was wohl der Vorarbeiter dazu sagen würde, trat der Holzfäller vor ihn hin, erzählte, was passiert war, und schwor Stein und Bein, dass er geschuftet hatte bis zum Umfallen.

 

Der Vorarbeiter fragte ihn: “Wann hast du denn deine Axt das letzte Mal geschärft?”

 

“Die Axt schärfen? Dazu hatte ich keine Zeit, ich war zu sehr damit beschäftigt, Bäume zu fällen.”

 

5. Perfektionismus adé: Löse Dich von Deinen Erwartungen

Grundsätzlich ist das Streben nach Perfektion erst einmal nichts Schlechtes. Aber wie bei fast allem gilt: Die Dosis macht das Gift. Und so ist auch hier das Mittelmaß, die richtige Balance gefragt.

Den eigenen Perfektionismus innerhalb von kurzer Zeit abzulegen, ist sicherlich nicht möglich. Als Anfang könntest Du Dir aber Aufgaben suchen, bei denen es nicht so sehr darauf ankommt, ob Du sie zu 100% perfekt erledigst.
Auch Deinen Alltag solltest Du ein wenig entspannter gestalten. Es muss nicht alles perfekt sein. Das Leben ist es schließlich auch nicht. Lieber ein bisschen weniger Stress durch Perfektionismus, dafür aber eine Menge mehr Glück und Zufriedenheit.

Wenn Du das nächste Mal in eine Situation kommst, in der Du normalerweise sofort in Panik verfallen wärest, gehe vorher die fünf genannten Schritte durch und entscheide selbst, wie viel Wichtigkeit Du der Situation beimisst. Und vor allem, wie Du auf sie reagieren möchtest.

Wenn Du noch mehr zum Thema Stress und vor allem, wie Du besser mit Stress umgehen kannst, wissen möchtest, schau mal bei Jacob Drachenberg vorbei. Der ist ein absoluter Experte in dem Bereich und kann Dir ganz bestimmt weiterhelfen.

Schon gesehen?

10 comments

Marius 26. Juni 2017 at 13:37

Danke auch für den Drachenberg-Link. Es ist schön, endlich „verbündete im Geiste“ zu finden. Bisher waren es meist nur Reiseblogger und Digitale Nomaden, die Digitalen Nomaden erklären, wie sie digital nomadisch leben können^^ – Zwar wurde bereits schon immer nebenbei und unterschwellig Wert auf die eigenen Ressourcen gelegt, dem Body-Mind-Soul-Gleichgewicht und der Frage „wie kann ich aus meinem gesamten Leben das machen, was mir gut tut und mir Freude bereitet, jenseits von „nur“ der „Arbeit“, doch lag der Haupt-Fokus nie so richtig auf der physischen und psychischen Gesundheit. Das hat mir bisher gefehlt und ich finde es schön, mehr und mehr Menschen zu treffen und deren (wie auch deine) Arbeit zu sehen und zu merken, dass da auch was abgeht und sich entwickelt. Echt super! Thumbs up 🙂

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Marilena 28. Juni 2017 at 15:32

Hej Marius,

vielen Dank für deinen herzlichen Kommentar. Mir geht es genauso wie dir. Ich bin auch absolut begeistert, welche Verbindungen sich auf einmal auftun und welch wunderbare Menschen ich in letzter Zeit kennenlernen durfte. Und das nur, weil ich meinem Herzen folge und das tue, was ich liebe. Ich freue mich auf den Austausch mit dir. Vor allem, wenn es bei mir bald ein weniger stressfreier wird 😉

Liebe Grüße aus Hamburg. Marilena

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Annika 26. Juni 2017 at 16:41

Großartiger Beitrag! Man sollte Stress immer positiv für sich selbst nutzen 🙂 super Tipps Marilena!

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Marilena 28. Juni 2017 at 15:30

Danke liebe Annika, das freut mich sehr!

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Jordan 26. Juni 2017 at 20:23

Laber. Das bleibt meilenweit hinter den basalen Kenntnissen aus der Stressforschung zurück.

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René 28. Juni 2017 at 13:04

Zum Beispiel? Kannst du etwas zum Thema beitragen? Das würde ich gern lesen. Danke dir.

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Lotta 28. Juni 2017 at 12:03

Hey Marilena,
sein sehr interessanter und spannend geschriebener Artikel! Ich persönlich habe mit dem Stress oft zu kämfen. Obwohl ich mir im Klaren über die Ursachen im Kopf bin, ist es oft schwer, dem Einhalt zu gebieten. Ein guter Tipp ist denke ich, Abstand zu gewinnen und es von außen zu betrachten: ist das jetzt so lebensnotwendig? Werde ich mich in einem Monat/ einem Jahr/ am Lebensende noch daran erinnern? Dann bekommt das alles eine neue Relation und das Leben eine andere Dimension… Zumindest in der Theorie. In der Praxis scheitere ich noch oft an meinem 200%-Anspruch. Aber Einsicht ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung…
In diesem Sinne: Vielen Dank für die Anregung und liebe Grüße!
Lotta

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Marilena 28. Juni 2017 at 15:29

Hallo liebe Lotta,

vielen Dank für deinen netten Kommentar. Und ich gebe dir zu 100% Recht, das Betrachten von außen und das Hinterfrage, ob es den Stress wirklich Wert ist, ist essentiell. Du scheinst ja, da du dir dessen Bewusst bist, auf dem richtigen Weg zu sein.
Und mir geht es ganz genauso wie dir. Ich bin auch keinesfalls perfekt und zu viel Stress kenne ich auch nur zu gut. Aber wir lerne und wachsen daran 🙂

Hab einen schönen Tag und liebe Grüße. Marilena

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Lars 20. Juli 2017 at 15:11

Hej Marilena,

sehr interessanter Artikel! Ich finde es super, wie du insbesondere das Thema Achtsamkeit beschreibst. Dies ist für viele Menschen die größte und vor allem erste Hürde, die es zu überwinden gilt, damit man sich selber und seine Reaktionen auf Dinge reflektieren kann. Du hast einen neuen Follower! 🙂

Side note: Der gute alte Jorge Bucay hat sich meines Erachtens ziemlich deutlich bei Abraham Lincoln bedient. Schau mal nach! 😉

LG
Lars

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Marilena 20. Juli 2017 at 17:18

Hej Lars (warst du auch in Schweden? 😉 )

vielen Dank für die lieben Worte und ich freue mich so sehr über jeden einzelnen Leser.
Danke für den Tipp mit Lincoln, das werde ich doch gleich mal googeln. Sehr interessant!

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