Ein Plädoyer fürs Nichtstun – Weniger Machen, Mehr Erreichen

7. August 2017
Wann hast Du das letzte mal nichts getan. Ich meine wirklich NICHTS. Also auch nicht lesen, Instagram checken oder einen Podcast hören. Einfach nur mit Dir selbst sein, Deinem Atem und den Gedanken, die kommen und gehen.
Vermutlich ist das ziemlich lange her, oder? Denn wir neigen im Alltag dazu, sobald wir eine freie Minute haben, in der wir nichts zu tun haben, uns ständig zu beschäftigen und abzulenken. Schau Dich nur mal in der Bahn um. Die meisten Menschen tippen vermutlich auf ihrem Smartphone, die wenigsten tun nichts.
Warum eigentlich? Wieso fällt es uns so schwer, uns eine bewusste Pause zu nehmen? Warum fühlen wir uns ständig getrieben etwas zu tun?
Ich selbst ertappe mich oft dabei, dass ich, anstatt mir eine Auszeit zu nehmen, Dinge suche, um mich zu  beschäftigen. Sonst habe ich schnell das Gefühl unproduktiv zu sein und nichts zu leisten. Aber ist das wirklich so? Wird man durch das Nichtstun gleich zum Faulpelz?
Nein! Und ich zeige Dir auch, wieso es sich lohnt einfach mal die Füße hochzulegen und fünf Grade sein zu lassen.

Boost your creativity! 

Wir fühlen beinahe, wie uns die Zeit zwischen den Fingern gerinnt und immer knapper wird, fürchten zugleich aber nichts mehr, als die Langeweile. Ziemlich kontrovers, wir Menschen! Dabei braucht unser Geist immer mal wieder Ruhe, um kreativ sein zu können.

Die permanente Reizüberflutung durch Smartphones, Werbung und Internet, überfordert unser Gehirn. Wir geben ihm zu wenig Gelegenheit, um die Flut an Informationen verarbeiten zu können. Denn nur in den Ruhepausen kann sich unser Gehirn regenerieren, wieder aufnahmefähig werden und neue Ideen generieren.

Nichtstun ist für uns also unverzichtbar, um kreativ sein und lernen zu können. 

Im Moment leben – Genuss pur

Kennst Du das, Du hast eigentlich gerade allen Grund glücklich und zufrieden zu sein. Könntest Dich entspannen und die Zeit genießen. Aber das einzige was in Deinem Kopf herumschwirrt, ist der Gedanke, an all die Dinge, die Du noch machen möchtest, musst oder vor Dir hast.

Ich kenne das zumindest von mir selbst. Ganz besonders auf Reisen. Da habe ich häufig das Bedürfnis die Zeit voll und ganz auskosten zu müssen, und möglichst viel mitzunehmen. Städte erkunden, die Menschen und die Kultur kennenlernen, viel lesen, Sport machen, ausschlafen… Was dann meist auf der Strecke bleibt, ist der Genuss.
Der Genuss, im hier und jetzt, im Moment zu leben. Ihn voll und ganz wahrzunehmen und zu genießen. Sei es der Blick aufs Meer, das leckere Eis oder ganz einfach die Ruhe.

Häufig sind wir in Gedanken nicht im Jetzt, sondern bereits in der Zukunft. Mal bewusst, mal unbewusst. Und genau das hält uns davon ab, einen Moment wirklich genießen zu können. Darum versuche ich immer mehr, im Alltag, als auch auf Reisen, das was gerade ist, mehr wahrzunehmen und zu schätzen. Mir bewusst zu machen, dass je weniger ich mir vornehme, umso mehr werde ich davon haben. 

In der Ruhe liegt die Kraft

In einem meiner Lieblingsbücher, Das Café am Rande der Welt von John Strelecky, gibt es eine wundervolle Anekdote über eine grüne Meeresschildkröte.

In dieser entdeckt Casey beim Schnorcheln eine grüne Meeresschildkröte. Sie versucht ihr zu folgen, um sie besser beobachten zu können. Dies will ihr jedoch einfach nicht gelingen. Denn sie kann mit der Schildkröte nicht mithalten, da sie die ganze Zeit paddeln muss, um gegen die hereinrollenden Wellen, anzukämpfen. Erst nach einigen Beobachtungen versteht Casey, dass die Meeresschildkröte ihre Bewegungen denen des Ozeans perfekt anpasst. Wenn sich eine Welle auf das Ufer zu bewegt, lässt sich die Schildkröte treiben und paddelte gerade so viel, um ihre Position halten zu können. Wenn aber die Welle wieder zum Ozean hinausströmte, paddelte sie schneller, um die Bewegungen des Meeres für sich zu nutzen.

Was ich aus dieser kleinen Anekdote gelernt habe?

Kämpfe nicht gegen die Wellen an, sondern lass Dich von ihnen treiben.

Was wir allerdings viel häufiger tun, ist gegen die anströmende Flut ankämpfen und damit unsere Kräfte verausgaben. Wir hängen uns in Aufgaben, arbeiten ab, ohne Pause, und oft auch ohne Verstand. Dabei könnten uns manchmal ein paar Schritte weniger, aber dafür Zielgerichtete, schneller und zugleich gelassener voran bringen.

Weniger ist oft mehr

Ich habe erst kürzlich auf Instagram gepostet, dass es mir in letzter Zeit besonders schwer fällt, mir Pausen zu gönnen. Ich habe so viele Ideen und es ergeben sich unglaublich viele, spannende Möglichkeiten, dass ich am liebsten alles gleichzeitig machen möchte. Also plane ich einen Termin nach dem anderen, mache mir To-Do Listen, sodass ich bald den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe.
Fokus war leider noch nie meine Stärke. Dabei weiß ich, dass, wenn ich mir maximal ein bis zwei wichtige Aufgaben pro Tag vornehme, viel effizienter arbeite. Und nicht nur effektiv.
Jetzt fragst Du Dich vielleicht: Ist das nicht das gleiche, effektiv und effizient? Nein! Denn:
  • Effektiv arbeitest Du, wenn Du etwas machst, das Dich zum gewünschten Ziel führt.
  • Effizient arbeitest Du, wenn Du das gewünschte Ziel mit möglichst geringem
    Aufwand (Zeit, Ressourcen) erreichst.

Wenn ich ganz ehrlich bin, ich arbeite sehr oft eher effektiv – wenn überhaupt. Darum habe ich mir vorgenommen, anstatt ewig lange To-Do Listen zu schreiben und durch chronische Geschäftigkeit, mir das Gefühl zu vermitteln, produktiv zu sein, einfach mal weniger zu tun.

Die liebe Simone von Rebellious Lace, hat genau zu diesem Thema einen Blog Post verfasst: Chaos im Kopf? – 6 Tipps für mehr Klarheit und Fokus. Den kann ich Dir nur ans Herz legen, sehr hilfreich!

5 Tipps, wie Du mehr erreichst, indem Du weniger Tust:

  1. Ein paar Minuten am Tag bewusst dem Nichtstun widmen.
  2. Den Fokus auf 1-2 wichtige Aufgaben am Tag beschränken
  3. Meditieren
  4. Die eigene Arbeitsweise hinterfragen. Arbeite ich wirklich effizient oder bin ich „nur“ effektiv?
  5. Den Glaubenssatz: „Wer nicht arbeitet ist faul.“ aus dem Kopf streichen.

Und nun interessiert mich natürlich brennend: Wie geht es Dir mit dem Nichtstun? Hast Du Tipps, wie es einem leichter fällt, einfach mal abzuschalten? Oder eine Strategie, besser den Fokus zu bewahren? Schreib mir gerne einen Kommentar, hier, bei Facebook oder auf Instagram.

Schon gesehen?

16 comments

Jana 8. August 2017 at 7:36

Hallo Marilena,

was für ein guter Reminder. Nichtstun ist so wichtig! Normalerweise sind Podcasts, Bücher und mein Handy meine ständigen Begleiter, wenn ich unterwegs bin. Jedes kleine Zeitfenster wird genutzt. Gerade habe ich angefangen diese kurzen (oder auch mal längeren) Wartezeiten wirklich mit Nichtstun zu verbringen. Ich finde das gar nicht so leicht.

Wie dir hilft mir auch Meditieren großartig dabei abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. An der Sache mit dem Fokus auf 1-2 Aufgaben am Tag arbeite ich noch :-).

Viele Grüße

Jana

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Marilena 8. August 2017 at 10:35

Mir geht es genau wie dir, liebe Jana! Meditation hilft mir dabei das Nichtstun als „sinnvoll“ anzusehen bisher auch am besten. Ich finde deine Website übrigens ganz toll! Und die Idee mit den Facebook Live Videos ist wundervoll! Ich werde auf jeden Fall mal mitmachen.

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Marion 8. August 2017 at 10:27

Leider habe auch ich das Nichtstun verlernt, wenn ich wirklich einmal nichts mache habe ich ein schlechtes Gewissen weil ich nichts mache…ein Hamsterrad….

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Marilena 8. August 2017 at 10:34

Aber das Schöne ist, dass du dir dessen bewusst bist. Und du kannst jederzeit diesen Umstand ändern und wieder lernen das Nichtstun zu genießen. Ich bin auch erst dabei 🙂

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Marion 10. August 2017 at 11:06

Tatsächlich habe ich gestern damit angefangen. Ich war auf einer vierstündigen Wanderung, ganz alleine, ohne Musik oder Hörbuch im Ohr. Es war fantastisch. Nur die Naturgeräusche. Ich habe mich sehr gut gefühlt als ich wieder zu Hause war. Danke für deine Anregungen.

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Marilena 15. August 2017 at 9:26

Wow das klingt fantastisch liebe Marion 🙂

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TIno 8. August 2017 at 10:31

Bei den 5 Tipps am Ende des Posts: Habe ich nicht richtig gelesen / verstanden? Oder ist das genau das Gegenteil von dem, was Du weiter oben beschrieben hast …
(effektiv/effizient verdreht) 🙂

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Marilena 8. August 2017 at 10:33

Sehr aufmerksam! 😉 Vielen Dank! Da sieht man mal, wie schnell man diese beiden Worte durch den Tüddel bekommt. Ist geändert!

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TIno 8. August 2017 at 10:34

Jetzt passts! Thx!

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Kiwi Pfingsten 8. August 2017 at 12:12

Schöner und wichtiger Artikel – herzlichen Dank dafür! Manchmal ist weniger einfach mehr!

Herzliche Grüße, Kiwi

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Marilena 8. August 2017 at 12:16

Vielen Dank liebe Kiwi, da gebe ich dir Recht 🙂

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nina 8. August 2017 at 20:23

Liebe Marilena, danke für diesen schönen Artikel! Nachdem ich ihn gelesen habe, hab ich mir eine schöne Tasse Tee gemacht und mich genüsslich auf meinen Balkon gesetzt und meinen Blick in die Ferne schweifen lassen. Wundervoll und so heilsam. Danke dir für dein Licht in dieser Welt, alles Liebe, nina

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Marilena 15. August 2017 at 9:26

Sehr gerne liebe Nina. Und es freut mich, dass du dir Zeit für dich selbst genommen hast. Hoffe du hast es genossen 🙂

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Ralf 9. August 2017 at 20:00

Hallo. Dein Beitrag zum Thema, einfach mal für 5 Min alles stehen und liegen lassen war erfrischend. Genau das hat mir heute gefehlt. Merci

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Thorsten 10. August 2017 at 12:21

Ich habe mir gerade erst mal Musik angemacht und werde im Anschluss an meinen Kommentar erst mal ein paar Minuten lang nur der Musik lauschen.

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Marilena 15. August 2017 at 9:26

Eine wundervolle Idee, Thorsten 🙂

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